{"id":17,"date":"2020-01-22T06:23:00","date_gmt":"2020-01-22T06:23:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.arnstorferselbsthilfegruppedepression.de\/?page_id=17"},"modified":"2020-07-06T12:50:08","modified_gmt":"2020-07-06T11:50:08","slug":"blog","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.arnstorferselbsthilfegruppedepression.de\/?page_id=17","title":{"rendered":"Blog"},"content":{"rendered":"<p>Hallo,<\/p>\n<p>unsere Selbsthilfegruppe Depression Arnstorf beginnt heute mit einem Blog (08.05.2020)<\/p>\n<p>A. startet mit folgendem Text, den Sie aus dem, was \u00fcber die Gruppe und das Gruppenprojekt mit Toni geschrieben ist, verfasst hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>*************************************************************************************<\/p>\n<p>Es ist mal wieder der letzte Montag im Monat um 18 Uhr in Arnstorf. Hausarzt Dr. Anton Wartner, genannt \u201cder Toni\u201d, ist schon da, wenn nacheinander die Mitglieder der Selbsthilfegruppe Depression eintrudeln. Er ist Gr\u00fcnder und Leiter der Gruppe, die seit Ende 2016 f\u00fcr viele Betroffene ein Ankerplatz ist.<\/p>\n<p>Depressionen sind eine psychische Erkrankung, die jeden und in jeder Lebensphase treffen kann. Eine Volkskrankheit sind sie und seitdem auch Prominente sich dazu bekennen, verlieren sie gl\u00fccklicherweise allm\u00e4hlich ihr Stigma. Manchmal m\u00f6chte man fast glauben, es sei geradezu \u201cin\u201d, an einem Burnout zu leiden, der doch nichts Anderes ist, als die gute alte Ersch\u00f6pfungsdepression. Nur dass man mit Letzterem jemanden verbindet, dem alles zu viel wird und der mehr oder weniger versagt hat, w\u00e4hrend der Manager oder Leistungssportler \u201causgebrannt\u201d sind, weil sie zuvor zu sehr f\u00fcr ihre Sache \u201cgebrannt\u201d haben. Das Ergebnis ist das Gleiche.<\/p>\n<p>Gr\u00fcnde f\u00fcr eine Depression gibt es viele, Ausl\u00f6ser noch mehr. Fakt ist, dass ein Mensch mit Depressionen weder \u201cverr\u00fcckt\u201d oder \u201cgaga\u201d ist, auch nicht \u201cspinnt\u201d und keine Gefahr f\u00fcr Andere darstellt. Bei der Gefahr gibt es allerdings eine Einschr\u00e4nkung. Menschen mit schwerer Depression und Hang zum Suizid k\u00f6nnen im Einzelfall andere \u201cmitnehmen\u201d wollen. Um diese Patienten geht es hier jedoch nicht. Ein Mensch in einer Depression hat genug mit sich selbst zu tun und meist gar keine Energie f\u00fcr mehr als das Notwendige.<\/p>\n<p>Wer nun aber denkt, dass sich da ein Haufen schwerm\u00fctiger bleicher Gestalten trifft, die dem Leben abgeschworen haben, irrt gewaltig. Im Raum herrscht ein Stimmengewirr, man freut sich, die Anderen wiederzusehen und auf den offenen Austausch. Jede\/r hier wei\u00df, wie sich eine Depression anf\u00fchlt. F\u00fcr Viele geh\u00f6rt sie seit Jahren dazu, wie ein aufdringlicher ungebetener Gast. Es geht einem gut, man denkt nicht mehr daran, das Leben ist ja sch\u00f6n und pl\u00f6tzlich, mit oder ohne Vorwarnung, biegt sie um die Ecke, macht sich breit und besetzt alle Synapsen. Irgendwann wei\u00df man zumindest, dass sie sich wieder verabschieden wird, wenn auch vielleicht nur vor\u00fcbergehend, aber das ist ja schon ein Licht am Horizont und nicht am Ende des Tunnels.<\/p>\n<p>\u201cDer Toni\u201d er\u00f6ffnet schlie\u00dflich die Runde und jeder kann, muss aber nicht, sagen, was ihm am Herzen liegt. Hier ist ein geschlossener Raum, eine Art \u201cK\u00e4seglocke\u201d, unter der das Gesprochene bleibt. Niemand muss Angst haben, sich zu blamieren oder demn\u00e4chst von der Freundin der Nachbarin der Cousine der Friseurin zu erfahren, welche Probleme man hat.Und so ist dies der ideale Rahmen, sein Anliegen zu formulieren und auf Verst\u00e4ndnis und Mitgef\u00fchl zu treffen. Geurteilt und verurteilt wird nicht. Aber man bekommt ein Feedback und oft gute Tipps. Und oft hilft es ja auch schon, wenn man sich alles von der Seele reden kann.<\/p>\n<p>Die zwei Stunden vergehen wie im Flug und danach f\u00fchlt man sich besser. F\u00fcr Manche\/n ist so ein Montagabend ein echtes Highlight und so stellt sich um 20 Uhr gerne mal die Frage:Italiener oder Grieche?<\/p>\n<p>Fragt man Anton Wartner nach seiner Motivation f\u00fcr diese Gruppe,sp\u00fcrt man sofort, mit wieviel Herzblut dieser Mann an seinem Beruf als Hausarzt h\u00e4ngt. Er ist noch einer, f\u00fcr den Patienten Menschen sind und keine Ziffernfolge f\u00fcr die Abrechnung. In seiner Praxis h\u00e4tte er aber gar nicht die Zeit, auf alle und jeden einzugehen und in schlimmeren F\u00e4llen kann auch er nur zum Psychiater oder Psychotherapeuten \u00fcberweisen. Aber hier, in der Gruppe, da ist er dann nicht der \u201cHerr Doktor\u201d, sondern der Toni. Und wie er selbst betont, sind diese Treffen auch f\u00fcr ihn ein Gewinn, menschlich wie fachlich. \u201cSelbsthilfe soll Erfahrungsaustausch sein, man soll Hilfe geben und nehmen k\u00f6nnen, Beziehungen zueinander aufbauen und in seiner Krise die sch\u00f6nen Seiten des Lebens neu entdecken.\u201d<\/p>\n<p>Und so sind diese Treffen weder eine Therapie noch ein Ersatz daf\u00fcr. Aber es sind Mutmacher-Treffen, bei denen auch gelacht und diskutiert wird. Und eigentlich f\u00fchlt es sich gar nicht so sperrig an, wie das Wort \u201cDepressionsselbsthilfegruppentreffen\u201d mutma\u00dfen l\u00e4sst. Nein, eigentlich ist es wie ein Treffen mit lieben Bekannten, mit denen man tiefere Gespr\u00e4che f\u00fchrt, als sonst oft und aus denen man mit neuer Energie und Kraft wieder nach Hause geht.<\/p>\n<p>Du f\u00fchlst dich angesprochen? Dann komm vorbei.<\/p>\n<p>*************************************************<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>06.07.2020 zum Treffen am 29.06.2020 mit Gast Dr. Margarete Liebmann<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Depressionen in Zeiten der Pandemie<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eigentlich wei\u00df jeder, der als Betroffener oder Angeh\u00f6riger mit Depressionen zu tun hat nur zu gut, was das bedeutet. Manchmal ist es aber doch ganz interessant, wenn man sich zu dem Thema in ungezwungenem Rahmen mit Fachleuten austauschen kann. Umso mehr in Zeiten wie diesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am 29. Juni 2020 war es wieder einmal so weit. Diesmal kam Frau Dr. Margarete Liebmann, langj\u00e4hrige Chef\u00e4rztin am AMEOS Klinikum in Simbach und k\u00fcnftig niedergelassene Fach\u00e4rztin f\u00fcr\u00a0 Psychiatrie und Psychotherapie ins Zentrum f\u00fcr Familien und Senioren in Arnstorf, wo sich die Selbsthilfegruppe Depression regelm\u00e4\u00dfig trifft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie sollte es anders sein, stand auch hier das Thema CORONA im Vordergrund. Es stellte sich die Frage, was die derzeitigen Umst\u00e4nde mit uns machen . Vor allem mit Menschen, die bereits einmal ein Trauma erlitten haben, z.B. im Krieg oder durch Freiheitsentzug und bei denen alte \u00c4ngste pl\u00f6tzlich wieder hochkommen. Aber auch mit allen anderen, denn es betrifft ja wirklich jeden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Pandemie hatte gl\u00fccklicherweise nicht nur negative Auswirkungen. Dr. Liebmann berichtet, wie erleichtert einige Patienten seien, da die Isolation durchaus Entlastung bringen k\u00f6nne. Man m\u00fcsse sich nicht mehr zwingen, unter Menschen zu gehen, sondern d\u00fcrfe einfach zuhause bleiben. Viele Termine wurden abgesagt, sodass mehr Zeit f\u00fcr einen selbst blieb. Druck und Tempo wurden vielfach rausgenommen und zudem durften wir in Deutschland, anders als in vielen anderen L\u00e4ndern, auf ein solides und (nach Anlaufschwierigkeiten) bestm\u00f6glich vorbereitetes Gesundheitssystem vertrauen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber nat\u00fcrlich \u00fcberwiegen die negativen Auswirkungen. Viele m\u00fcssen um ihre wirtschaftliche Existenz f\u00fcrchten, die schnellen und bis vor kurzem unvorstellbaren \u00c4nderungen der gesellschaftlichen und rechtlichen Gegebenheiten machen Angst. Viele wissen nicht mehr, was sie glauben sollen. Ist die Pandemie wirklich so t\u00f6dlich oder doch nur ein \u201ebesserer Schnupfen\u201c? Sind unsere Gesellschaft und Rechtsordnung am Ende, war es das mit der Demokratie? Ist die Maske vorm Gesicht wirklich nur ein St\u00fcck Stoff oder der Anfang vom Ende der Meinungsfreiheit?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr jeden stellt sich die Problematik anders dar. Sicher scheint jedoch, dass sich die Gesellschaft ver\u00e4ndert hat. Einerseits die Bekundungen von Hilfsbereitschaft und Empathie. Andererseits das Denunzieren von Personen, die sich mglw. nicht ma\u00dfnahmenkonform verhalten oder auch das teilweise als aggressiv empfundene Vorgehen der \u201eStaatsmacht\u201c nicht nur an den Landesgrenzen. All das wird Spuren hingerlassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ausgangsbeschr\u00e4nkungen sind das Eine. Wenn aber famili\u00e4re und freundschaftliche Strukturen pl\u00f6tzlich \u201evon oben\u201c geregelt werden, ist das ein schwerer Eingriff in die Privatsph\u00e4re. Da darf man pl\u00f6tzlich seine alten Eltern im Heim nicht mehr besuchen oder den kranken Partner im Krankenhaus. Covid positiven M\u00fcttern werden nach der Entbindung die Babys vorenthalten und sie werden isoliert. Gro\u00dfeltern und Enkel sollen sich monatelang nicht treffen, ebenso Freunde. Viele Menschen sind pl\u00f6tzlich im Home Office und m\u00fcssen nebenbei auch noch ihre Kinder unterrichten, egal, wie die pers\u00f6nlichen, technischen oder wirtschaftlichen Gegebenheiten sein m\u00f6gen. L\u00e4ngst \u00fcberwunden geglaubte Rollenklischees sind pl\u00f6tzlich wieder aktuell, von steigenden Zahlen h\u00e4uslicher Gewalt und von Kindsmisshandlungen ganz zu schweigen, da ja die soziale Kontrolle fehlt und die Opfer ihren T\u00e4tern ausgeliefert sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber auch fr\u00fcher ganz banal erscheinende Themen wie Freizeit und Urlaub sind pl\u00f6tzlich nicht mehr im eigenen Ermessen. Hinzu kommt, dass es vielen schwer f\u00e4llt, Struktur in den Tag zu bringen. Depressive sind davon ganz besonders betroffen und so kann es schnell passieren, dass man sich in einer Abw\u00e4rtsspirale befindet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf die \u00e4u\u00dferen Gegebenheiten haben wir keinen Einfluss. Was aber, wenn uns eine solche Situation in der Depression trifft oder wieder in eine Episode hineinf\u00fchrt?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dr. Liebmann hat hierf\u00fcr einige gute Ratschl\u00e4ge. Sie empfiehlt zun\u00e4chst eine Psychotherapie, die mindestens einmal w\u00f6chentlich stattfinden sollte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zudem solle man m\u00f6glichst in die Aktivit\u00e4t gehen, da Passivit\u00e4t kontraproduktiv sei. Hier sei eine gewisse Disziplin gefragt, die dabei unterst\u00fctzt, eine Episode zu verhindern oder wieder herauszukommen. Insbesondere solle versucht werden, den Schlaf-Wachrhythmus mechanisch zu regulieren. Am besten gelinge dies, wenn man immer zur gleichen Zeit ins Bett gehe und wieder aufstehe. Ein \u201eMittagsschlaf\u201c sei hingegen nicht ratsam.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dr. Liebmann empfiehlt ferner Imaginations\u00fcbungen z.B. gegen Einsamkeit. Auch sei es erwiesen, dass man dem eigenen Gl\u00fcck auf die Spr\u00fcnge helfen k\u00f6nne, indem man etwas f\u00fcr Andere tue. Ein Ehrenamt b\u00f6te sich hier an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sollte eine depressive Episode sich aber verschlimmern, sollte ggf. in Absprache mit dem Arzt die Dosierung der Antidepressiva erh\u00f6ht werden. Sollte die Maximaldosierung bereits erreicht sein, nicht aber die gew\u00fcnschte Wirkung, so k\u00f6nne ein Umstieg auf ein neues Pr\u00e4parat die L\u00f6sung sein. Dazu k\u00f6nne durchaus auch auf einen Wirkstoff zur\u00fcckgegriffen werden, der in der Vergangenheit geholfen und irgendwann seine Wirkung verloren hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit seinen Depressionen muss man leben lernen. Aber man ist damit nicht alleine. Man muss sich nur trauen, z.B: eine Selbsthilfegruppe zu besuchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Arnstorf findet das Treffen regelm\u00e4\u00dfig am letzten Montag im Monat um 18.00 Uhr statt und bei Bedarf werden weitere Treffen angesetzt. Termine siehe Kalender.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo, unsere Selbsthilfegruppe Depression Arnstorf beginnt heute mit einem Blog (08.05.2020) A. startet mit folgendem Text, den Sie aus dem, was \u00fcber die Gruppe und das Gruppenprojekt mit Toni geschrieben ist, verfasst hat. &nbsp; &nbsp; ************************************************************************************* Es ist mal wieder der letzte Montag im Monat um 18 Uhr in Arnstorf. 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